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Führung auf Basis natürlicher Prinzipien

Leuchttürme sind Orientierungspunkte in stürmischen Zeiten. Ich will Ihnen heute von einem "Leuchtturm"-Unternehmen berichten, von dessen Team Spirit und der Fertigkeit aus Krisen echte Chance zu machen, wir viel lernen können.

Inzwischen schlagen viele Flutwellen gegen die Unternehmensmauern: digitaler Wandel, zunehmender globaler Wettbewerb, War for Talents, Wertewandel und demographischer Wandel lassen große Befürchtungen aufkommen, dass einem bald das Wasser bis zum Halse stehen wird.

Wie schlägt man sich durch diese vermeintlichen Katastrophen hindurch und wie bereitet man die eigenen Leute darauf vor, in all der Veränderung zusammenzustehen und gemeinsam durch alle Herausforderungen zu waten?

Der Technologiekonzern Western Digital, der vor allem für seine Festplatten bekannt ist, hat es geschafft seine Leute für Krisen fit zu machen. Das Unternehmen steht zusammen wie ein Team, sogar als 2011 eine der schlimmsten Flutkatastrophen Thailand heimsuchte. Damals wurden 13 Millionen Menschen schlagartig obdachlos, 800 starben.

Western Digital beschäftigte zu der Zeit 38.000 Mitarbeiter in einem riesigen Industriegebiet nördlich von Bangkok. Die Flut traf das Gelände mit großer Wucht, so dass die Fabriken 1,80 m unter Wasser und Schlamm standen. Für die Produktion von Festplatten, die staubfreie Räume benötigt, kam dies einem Todesurteil gleich. Experten schätzten, dass allein die Aufräumarbeiten sieben Monate dauern würden und die Instandsetzung eine Milliarde Dollar verschlingen würde. Einige Marktberichte prophezeiten sogar das Ende von Western Digital.

Doch das Unternehmen begann seine Produktion bereits 46 Tage nach der Flut und die Instandsetzung verbrauchte nur einen Bruchteil der geschätzten Kosten (200 Millionen statt einer Milliarde Dollar). Die nächste Fabrik in der Umgebung öffnete erst 6 Monate nach der Katastrophe und 65.000 Menschen in vergleichbaren Unternehmen verloren ihre Jobs. Western Digital erreichte innerhalb eines Jahres die Marktführerschaft, brach Umsatzrekorde und übernahm einen seiner größten Konkurrenten. An diesem Beispiel zeigt sich auf wundervolle Weise, wie sich die schlimmsten Krisen in die besten Chancen wandeln lassen.

Wie konnte Western Digital so radikal anders sein als die umliegenden Unternehmen? Die Antwort ist einfach, aber in ihrer Umsetzung nicht simpel: Bewusste Kulturentwicklung.

"A culture can be built consciously or evolve inadvertently."
- Clayton Christensen, Professor, Harvard Business School

In 2009 beauftrage die Führung von Western Digital unsere Kollegen in Thailand damit, eine Kultur zu etablieren, die auf grundlegenden Prinzipien beruht. Western Digital ließ daraufhin die obersten Führungskräfte, Abteilungsleiter und Manager in den "7 Wegen zur Effektivität" (engl. "The 7 Habits of Highly Effective People") trainieren und rollte dann das Programm durch dafür extra zertifizierte Inhouse Trainer aus. So lernten vor der Flut knapp 2.500 Führungs- und Fachkräfte die Prinzipien der "7 Wege" sowie die damit einhergehenden Mindsets, Skills und Tools kennen und implementierten diese in ihren Alltag.

"The culture of any organization is simply the collective behavior of its leaders.
If you want to change your culture, change the collective behavior of your leaders."
- Ram Charan, Leadership Expert and Author of "The Leadership Pipeline"

Die Führungskräfte und die von ihnen geprägte Kultur war durch die Fundierung auf den natürlichen Prinzipien der "7 Wege" bestens auf die Flutkatastrophe vorbereitet. Und so wendeten sie die "Wege" während der Katastrophe an:

1. Weg - Pro-aktiv sein

Kurz bevor die Flut Western Digital traf, entschied die Führung, dass sie pro-aktiv mit der nahenden Katastrophe umgehen würden. Sie trafen vorbereitende Maßnahmen für Maschinen und Equipment.

2. Weg - Schon am Anfang das Ende im Sinn haben

Sie hatten das klare Ziel vor Augen, in kürzester Zeit alles wieder instand zu setzen. Und sie entschieden, die Maschinen nach Möglichkeit zu säubern und zu reparieren anstatt sie gegen neue auszutauschen.

3. Weg - Das Wichtigste zuerst tun

Als die Flut sie traf richtete das Führungsteam innerhalb von 24 Stunden eine Stabstelle zur Koordination des Wiederaufbaus ein, zog externe Hilfe hinzu und kommunizierte an alle Mitarbeiter, dass sie ihre Jobs behalten würden. Die Sicherheit und das Wohlergehen der Mitarbeiter sowie die Kommunikation mit ihnen hatten zu jeder Zeit Top-Priorität.

4. Weg - Win-Win denken

Die Entscheidung, die Jobs aller Mitarbeiter zu garantieren, linderte die Verzweiflung der Menschen - viele von ihnen hatten ihre Häuser verloren - und schaffte Mut und Hoffnung. Sie stärkte das Vertrauen, so dass sich die Mitarbeiter um ihre persönlichen Schicksalsschläge und dann um die Instandsetzung des Unternehmens kümmern konnten. Die oberen Stockwerke der Werksgebäude wurden für die Mitarbeiter zu Schlafstätten umfunktioniert. Zudem machten sich viele täglich mit Booten stundenlang auf den Weg von ihren Notunterkünften zum Werksgelände.

5. Weg - Erst verstehen, dann verstanden werden

Die Führung verschaffte sich ein Bild von den individuellen Umständen der Mitarbeiter, um dann Entscheidungen zu treffen, wen man bat beim Wiederaufbau zu unterstützen.

6. Weg - Synergien schaffen

Zunächst unterstützten Marine-Taucher dabei, das wichtigste Equipment unter Wasser zu demontieren, so dass die teuren Maschinen im Trockenen gereinigt und repariert werden konnten. Als das Wasser langsam wich, standen alle im gleichen Matsch - Führungskräfte und ihre Mitarbeiter. Sie räumten gemeinsam auf, trieben das restliche Wasser zurück und reinigten die Hallen und Geräte vom Schlamm. Menschen, die vorher nicht zusammengearbeitet hatten, lösten zügig und effektiv Probleme.

In schwierigen Zeiten zeigt sich der wahre Charakter eines Menschen und das gilt auch für Unternehmen. Die Manager führten auf Augenhöhe und waren für ihre Leute kümmerndes und zupackendes Beispiel. Und das gab den Menschen immer wieder neue Hoffnung, Mut und Ausdauer, um mitzuhelfen, dass Western Digital überleben würde.

7. Weg - Die Säge schärfen

Als das Unternehmen sich erholt hatte, investierte es in die weitere Entwicklung ihrer Kultur mit Hilfe der "7 Wege". Alles mit dem Ziel, auch für zukünftige Herausforderungen bestens gerüstet und nachhaltig erfolgreich zu sein.

"We executed by tying our values to Covey's 7 Habits of Highly Effective People.
Western Digital's strong culture enabled the flawless crisis execution that resulted in the production facility's impressive recovery."
- Dave Rauch, Senior Vice President Manufacturing, Western Digital

Western Digital ist aufgrund der Menschen, die das Unternehmen ausmachen, erfolgreich - und ihr kollektives Verhalten ist eine Reflektion der Führung, die dort gelebt wird. Sie entwickelt hoch engagierte und resiliente Mitarbeiter.

Welche Flutwellen sehen Sie auf sich zurollen?

Welche "Wege" sind in Ihrer Führung und Kultur bislang noch zu schwach ausgeprägt, damit auch Ihr Unternehmen aus Krisen Chancen machen kann?

Ein Video zum Fallbeispiel von Western Digital finden Sie unter:
www.franklincovey.de/Ressourcen/referenzen/case-studies/western-digital.html

Mehr zu den "7 Wegen zur Effektivität" finden Sie hier:
https://www.franklincovey.de/Expertise/Fuehrung/die-7-wege-zur-effektivitaet.html

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Gerd Schulze Weischer

Gerd Schulze Weischer

Gerd leitet als Performance Coach und Sales Leader das Berater Team von FranklinCovey in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Er ist studierter Kommunikationswissenschaftler, Arbeits- und Organisationspsychologe und Business Coach (DBVC). Als Experte für die Themen Leadership, Produktivität und Vertrauen befasst er sich leidenschaftlich gern mit den Themen „Führung im 21. Jahrhundert“, „agile Führung“, „Vertrauenskultur“ und „New Work“. Sein Purpose ist es, Menschen in Unternehmen zu einem starken Wir zu verhelfen.