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Unternehmenskultur in Zeiten des Wandels

Die Geschwindigkeit, mit der wir uns täglich an neue Prozesse, Regeln, Vorschriften und Geschäftswege gewöhnen müssen, ist atemberaubend. Kaum glaubt man, endlich begriffen zu haben, wie mit einer Filme-Plattform zufriedenstellend umzugehen ist, erhält man eine E-Mail darüber, welche neuen rechtlichen Richtlinien für diesen Service zu beachten sind. Lesen Sie all diese Updates zu den Terms & Conditions wirklich? Wir alle sind gefordert, selbst Experten in Bereichen zu sein oder zu werden, die wir früher gerne anderen überlassen haben. Die Flut und die Detailtiefe der Veränderungen unseres Lebens lassen es nicht mehr zu, dass Verantwortung gebündelt übernommen wird. Wenn wir ehrlich sind, hoffen wir doch oft, dass alles gut gehen möge, wenn wir den „Ok“ Haken setzen.
Das Gleiche gilt in vielerlei Hinsicht auch für Unternehmen und Unternehmensführung. Der Unternehmensberater Frédéric Laloux hat in seinem Buch „Reinventing Organizations“ eine Grundlage für die Diskussion darüber geschaffen, wie Unternehmen sich auf die zukünftigen Herausforderungen vorbereiten können. Er sagt, Selbstführung, Ganzheit und Sinn werden das Management, wie wir es bisher kennen, verändern. Denn: „Hierarchie kann mit Komplexität nicht umgehen“. Laloux‘s Arbeit ist faszinierend und inspirierend – er regt ein neues Verständnis von Führung an, einen Paradigmenwechsel. Gleichzeitig sind seine Gedanken aber auch eine Herausforderung, die uns ebenso sprachlos zurücklässt, wie das neueste Update zu den Terms & Conditions der oben erwähnten Filme-Plattform.

Keine Macht für niemand

Eine Aussage in Laloux‘s Buch macht mich immer wieder stutzig, weil sie vorwegnimmt, dass Führung auch in Zukunft stattfinden wird. Laloux zeigt auf, was jetzt schon geschieht: „Keine Machthierarchie – viele natürliche Hierarchien“. Seine Ausführungen hierzu treffen sich mit Beobachtungen, die ich im Laufe der Jahre meiner Arbeit immer wieder gemacht habe und die Gründe dafür sind, warum in jedem Change Projekt nach den Change Agents gesucht wird: Es ist nicht immer der Chef, der führt. Oft sind es andere Mitarbeiter. Und diese Mischung aus Macht und Autorität prägt am Ende das, was Mitarbeiter, aber auch Kunden von Unternehmen wahrnehmen: Die Unternehmenskultur – gelebte Werte. Genau hier sehe ich einen guten und für alle Mitarbeiter eines Unternehmens nachvollziehbaren Ansatzpunkt für unsere Betrachtungen. Hier kann man bewusst steuernd tätig werden und mit der Zeit Verbesserungen umsetzen, die gleichzeitig auf zukunftssichernde, noch zu definierende Maßnahmen einzahlen. In Zeiten von Ikigai, also der Freude am Sinn, ist Unternehmenskultur der größte und wichtigste Hebel für die erfolgreiche Zukunft eines Unternehmens. Und sie entsteht durch authentische Führung und Kreativität aller.

Fast alles wird sich ändern

„Fast alles wird sich ändern. [… ] Kaum eine Branche oder ein gesellschaftlicher Sektor werden sich aus Strömungen des Wandels heraushalten können.“ schreibt der St. Galler Managementexperte Fredmund Malik in seinem Buch „Navigieren in Zeiten des Umbruchs: Die Welt neu denken und gestalten“. Fast alles?! „Was wird sich nicht ändern?“ ist die Frage, die sich da sofort aufdrängt, oder? Ich bin überzeugt, dass Menschen weiterhin eigene Entscheidungen darüber treffen werden, was sie für vertrauenswürdig halten. Sei es als Kunden, die ihr Geld in Produkte und Services investieren oder als Mitarbeiter, die ihre Leistung für ihr Unternehmen einbringen wollen. Vertrauen ist heute wichtig wie nie. Hier schließt sich nun der Kreis zu Laloux und wir kehren zum Ausgangspunkt zurück: Führen in komplexen Zeiten bedeutet eben auch, es zu wagen, Mitarbeiter bei ihrer Selbstführung zu unterstützen, Ganzheit als Bezugspunkt zu erlauben und gemeinsam für ein sinnhaftes Ziel zu arbeiten. In diesem Sinne: Schauen Sie sich ruhig den Filmklassiker „Moderne Zeiten“ von Charly Chaplin (wieder) an. Zeitlos relevant ist auch er.

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Carin Jungmann

Carin Jungmann

Carin Jungmann verantwortet die strategische Geschäftsentwicklung bei FranklinCovey DACH. Sie hat 20 Jahre Erfahrung im Performance Improvement Bereich und begann ihre Karriere in den USA. Ihr Schwerpunktthema ist nachhaltige Leistungsverbesserung in strategischen, internationalen Organisationsentwicklungsprojekten, insbesondere bei Mergers und Acquisitions.